André Widmann (Universität Erlangen)
Alchemie in Franken
Die Alchemie ist ein wissenschafts- und kulturhistorisches Phänomen,
das weit in die Menschheitsgeschichte zurück reicht. Schon in den
frühesten Kulturen machte man sich Gedanken darüber, wie das Universum
und die Materie der Erde aufgebaut sind. Dieser Wissensdurst ist wohl
ein elementarer Grundzug des menschlichen Wesens, der sich bis heute
erhalten hat.
Auch im fränkischen Raum lassen sich ab dem 13. Jahrhundert Alchemisten
nachweisen. Dieser Vortrag soll sich mit ihrem Wirken befassen.
Da allerdings die mittelalterlichen Wissenschaften noch keine klaren
Trennungen der Disziplinen aufwiesen, müssen zum Verständnis der
alchemistischen Theorie, die Dimensionen des Grundlagenwissens
aufgezeigt werden: Kosmologie, antike Elementenlehre, christliche
Einflüsse und praktisches Laborwissen.
Die Alchemie hat sich im Lauf der Zeit, aus verschiedenen Gründen,
zu einer Geheimlehre mit verschlüsselten Texten entwickelt.
Daher ranken sich viele Geschichten von wundersamen Verwandlungen,
aber auch Berichte von Fälschern und Betrügern, um die sogenannte
"Königliche Wissenschaft."
Seit einiger Zeit versuchen wir in Erlangen, eine der herausragenden
mittelalterlichen Schriften zu entschlüsseln. Es handelt sich dabei um
,,Das Buch der Hl. Dreifaltigkeit'' in dem nichts geringeres als die
Herstellung des ,,Steins der Weisen'' beschrieben ist. Ich freue mich
darüber, dass ich Ihnen einen Einblick in unsere Text- und Laborarbeiten
bieten darf, bei denen teilweise erstaunliche Ergebnisse herauskamen.
Sylvin Mueller-Navarra (Bundesamt für Seeschifffahrt und
Hydrographie (BSH), Universität Hamburg, SPGN)
Gezeiten in Binnenseen
Mit der Stellung von Mond und Sonne gegen den Horizont ändern sich die Intensität und die Richtung der Schwere, unterschiedlich von Ort zu Ort auf der Erdoberfläche. Die Gezeiten werden einzig durch Richtungsänderungen der
Schwere hervorgerufen. Die Wasseroberfläche eines Sees ist nach allen Himmelsrichtungen kippbar und kann den Schwerestörungen folgen.
Zu beobachten sind in Seen hydrostatische, trägheitslose Gezeiten.
Im Gegensatz dazu sind die großen, tiefen Weltmeere durch die Trägheit
des Wassers und die Erdumdrehung geprägt.
Wasserstandsschwankungen in Seen sind einfach zu beobachten, und so gab es schon
vor mehr als 100 Jahren Messgeräte, sogenannte Limnographen, mit denen man periodische Wasserstandsschwankungen aufzeichnen konnte. Dabei waren meteorologisch verursachte von astronomisch bedingten Schwankungen des Wasserspiegels zu unterscheiden. Das war schwierig, denn nur in den großen Seen (Baikalsee, Great Lakes) erreichen die Gezeitenhübe mehr als einen Zentimeter.
Gezeitenforschung war lange Zeit unmodern, in letzter Zeit ist deren große Bedeutung in vielen Wissenschaftsfeldern wieder klar geworden. In subglazialen Seen
z.B. könnten die Gezeitenströme neben durch Luftdruckgradienten erzeugten Strömungen die wichtigsten Bewegungsvorgänge sein.