SP Geschichte der
Naturwissenschaften,
Mathematik und Technik
 UHH > Fachbereiche > Mathematik > SPGN > Frauen-Zimmer   Hilfe -Suche  



Zusammengestellt und erläutert*
                   von
          Anna-Pia Köppel

"Damit Ihre Angora-Strickarbeiten schön flauschig bleiben,
waschen Sie sie mit Ei-Haar-Shampoo. Wenn die
Sachen trocken sind, legen Sie sie in einen Plastikbeutel
und dann für 2 Stünden ins Gefrierfach. Dann vorsichtig
hinlegen und abtauen lassen."

Was wurde aus der weiblichen Findigkeit, denn auch kleine Mädchen fragen: "Warum?" - Warum fand jene so selten den Weg in die Naturwissenschaften? Die Frage scheint naiv, die Antwort selbstverständlich: Frauen werden eben nicht naturwissenschaftlich ausgebildet.
- Frauen sind eben nicht naturwissenschaftlich begabt. Und die 'Ausnahmefrauen' müssen für die eine oder andere These herhalten, ja die meisten Darstellungen der 'Frau als Naturforscherin in Vergangenheit und Gegenwart' werden zu dem ausdrücklichen Zweck verfaßt, Varianten des einen oder anderen Standpunktes zu untermauern.

Diese altehrwürdige Polarisierung gewinnt heute eine neue Pikanterie durch das Spannungsfeld: Frauen im Widerstand/Widerspruch zu den (zunehmend der Kritik ausgesetzten männlichen?) Wissenschaften und Frauen als angepaßte ,Männer ehrenhalber' bzw. Frauen, die sich der Auseinandersetzung mit gesellschaftlich wichtigen Bereichen entziehen und Frauen, die ihren Anspruch auf ein gleichgestelltes Dasein aktiv durchsetzen. Hinzu kommt die durchgängig stiefväterliche Behandlung der Frauen durch die Geschichtswissenschaft, die Fußangeln einer Wissenschaftsgeschichtsschreibung der ,großen Persönlichkeiten' und einer Quellenlage, die Germaine Greer für die Kunstgeschichte treffend beschreibt und kommentiert:

"Partial lists of twenty or thirty women can only ultimately discourage and confuse people with genuine interest in Women's contribution to the graphic arts for, while implying that there are no significant obstacles to -the emergence of excellence by exaggerating the achievements of an arbitrarily Chosen group, they account for the actual contribution of women in an insultingly Small space. The struggle of half the Population over centuries is worth a single book, a Single exhibition and the subjekt is drained of all interest until it may be done again for another, equally ignorant generation. At every listing, old names are omitted and new names included,• the representation is as arbitrary as the eighteenth-century limitation of the number of women in the Academie Royalede la Peinture et de la Sculpture to four at any time."(2)

Da erscheint es nicht verwunderlich, daß die Geschichte der Frauen in den Naturwissenschaften ungeschrieben blieb. Dies ist um so bedauerlicher, als die verschiedenen theoretischen Höhenflüge zur Beschreibung und Erklärung der vermeintlich wahrgenommenen Geschlechtsunterschiede so auf die jeweils modische Methodik der Datenerhebung und Theoriebildung beschränkt blieben; der jeweiligen Lieblingsthese widersprechendes Material aber, da unbekannt und unbearbeitet, nicht zur Kenntnis genommen wurde. Germaine Greer könnte sinngemäß auch für die Naturwissenschaften recht haben, wenn sie schreibt:

"The nature of the art establishment is revealed by the struggles of a minority to enter it; [ ... J Their fortunes do not demonstrate the innate artistic ability of women as a Sex, any more than trotting races Show how fast a horse can run "(3).

Würden entsprechende Beiträge nicht nur Antworten liefern auf die einleitenden Fragen, sondern auch auf die Beschaffenheit und Entwicklung der Naturwissenschaften ein neues Licht werfen? Auch diese Frage muß offen bleiben, solange eingehendere Untersuchungen nicht vorliegen. Die folgende einführende Auswahl von Quellenangaben soll Anregungen geben und die Recherche ein wenig erleichtern. Sie enthält ausdrücklich keine allgemein naturwissenschaftshistorischen Angaben und kein Material zur historischen Situation der Frauen in verschiedenen Geschichtsepochen, auch nicht zur Ausbildungssituation, Berufstätigkeit o.ä. sowie keine allgemeinen Kompilationen ,berühmter Frauen'. Selbst mit diesen Einschränkungen ist keineswegs eine vollständige, sondern eine zugegeben willkürliche Auswahl getroffen worden. Charakteristische Strömungen in den Naturwissenschaften werden durch mindestens je eine, im Regelfall jedoch nicht mehr als zwei Vertreterinnen vorgestellt. Bei jedem Abschnitt werden zuerst die Überblicksliteratur und/oder aus der betreffenden Zeit stammende Kompendien der gelehrten Frauen aufgeführt. Nicht nur wegen ihrer Unvollständigkeit und subjektiven Auswahl kann die folgende Zusammenstellung nicht von der Sorgfalt im Umgang mit historischem Material entbinden ohne die voreilige Einschätzungen sich nur zu schnell mit vorgefaßten Annahmen verbinden. Ein Beispiel: James McKeen Cattell, Begründer des Nachschlagwerkes American Men of Science (es blieb lange bei diesem Titel) war ein Anhänger Galtons (4) (Stichworte: erbliches Genie', Zwillingsforschung, vergleichende Untersuchungen über Schädelvolumina, Eugenik). Solche Einzelheiten gilt es sich erinnerlich zu machen und zu berücksichtigen, bevor die in solchen Zusammenstellungen erwähnten Frauen ausgezählt und daraus Schlüsse gezogen werden. Ein Wort 'zum Geleit, wiederum von Germaine Greer:

"If we Look fearlessly at the works of dead women and do not attempt to erect für them- a double Standard in the mistaken notion that such distortion of the truth will benefit women living and working today, we will understand by analogy a good deal about our own Oppression and its pathology"(5)

"The point is, after all, not to question irritably whet her women artists are any good in Order to reject them if we find that they are not as good as anot her group, but to interest ourselves in women artists, für their dilemma is our own. Every painting by anyone is evidence of a struggle, and not all such struggles are conclusively won."(6)



* Quellenhinweis: Frauen in der Naturwissenschaft. Vom Mittelalter bis in die Gegenwart.
Katalog der Ausstellung für die Universitätstage 1982 der Universität Hamburg im Institut für Geschichte der Naturwissenschaften, Mathematik und Technik.


 
 Seitenanfang  Impressum 2004-04-23, Joachim Feltkamp