Lehrveranstaltungen im WS 2004/05
Gesa Mayer,
Torsten Rüting

11.949    Seminar:

Gehirn und Geschlecht. Biologie und die Konstruktion von Unterschieden in der Geschichte und heute

Di 16-18
Geomatikum
Raum 434
Beginn 26.10



Inhalt:














Ziel:




Vorkenntnisse:

Literatur:
 Lerne Dich und den großen Unterschied kennen - mit den Erkenntnissen der neuen Neurobiologie und Hirnforschung! Finde "natürliche" Erklärungen", warum wir oder unsere Partner lügen, nicht zuhören, immer einkaufen, surfen oder reden wollen! Die populäre Vermarktung der Bio-Forschung findet reißenden Absatz. Wo liegt hier der Haken, wenn doch vielen angeblich geholfen wird? Was können wir aus der Geschichte lernen? Woran können wir uns im Umgang mit der Forschung und ihren Ergebnissen orientieren, um im "Kampf" der natur- und geisteswissenschaftlichen Diskurse nicht verloren zu gehen?
Diese Fragen bilden den Ausgangspunkt für unserer Seminar. Aufbauend auf kritischen Analysen der Vorgeschichte der heutigen Hirnforschung soll die Rolle und Bedeutung der Neurowissenschaften bei der Konstruktion von Geschlecht untersucht und typische Argumentationsmuster und Rhetoriken herausgearbeitet werden. Hintergründe und Kontexte verschiedener Entwicklungen und Aspekte sollen vorgestellt und an der Entwicklung eines eigenen Standpunktes gearbeitet werden. Dabei werden Theorien und Konzepte der aktuellen Genderforschung erprobt und diskutiert werden

 Förderung interdisziplinärer Denk- und Forschungsansätze. Persönliche Orientierung und kritische Reflexion zu aktuellen Diskursen. Bewußtsein für die Konstruktion und Veränderlichkeit der Wahrnehmung des Geschlechts sowie für die Wechselwirkungen zwischen biologischen Theorien und gesellschaftlichem Kontext.

keine besonderen Vorkenntnisse

-Fausto Sterling, A.nne (1999):Sexing the Body: Gender Politics and the Construction of Sexuality. New York: Basic Books
-Fausto-Sterling, Anne (1988): Gefangene des Geschlechts? : Was biolog. Theorien über Mann u. Frau sagen München ; Zürich : Piper,
-Schmitz, Sigrid (2002): Hirnforschung und Geschlecht: Eine kritische Analyse im Rahmen der Genderforschung in den Naturwissenschaften In: Bauer, Ingrid/Neissl, Julia (Hg.) Gender Studies - Denkachsen und Perspektiven der Geschlechterforschung. Innsbruck-Wien-München: StudienVerlag, pp.109-125,
-Wilson, Elizabeth Anne (1998): Neural geographies : feminism and the microstructure of cognition New York, NY [u.a.] : Routledge,





11.948  Seminar
im Rahmen des Studiengangs Friedens- und Konfliktforschung:
Geschichte der Verhaltensforschung und der Tierpsychologie.
Erklärungsmodelle und Analogien für Kooperation und Aggression.

Verlegt auf

 
Mo 16.15 - 17.45

Geomatikum Raum E
13

 

 
Inhalt:
















Vorkenntnisse

Ziel:







Literatur:
Nicht erst von Konrad Lorenz wurden militärische Aggression und menschliche Konflikte mit der Übertragung von Beobachtung an Tieren zu einem "natürlichen" Tatbestand gemacht. Die Lehre Darwins und dessen Versuche, das Verhalten des Menschen aus dem der Tiere abzuleiten machten den Konflikt zum zentralen Thema, fanden in ihm den Antrieb der Evolution und verwurzelten ihn damit tief im Denken unserer Kultur. Mit diesem Erbe belastet bestimmten Tierpsychologie und moderne Verhaltensforschung Debatten um die Ursachen von Kriegen und Konflikten nachhaltig. Die Soziobiologie Wilsons und Dawkins setzt diese Tradition bis heute fort. Die Erklärung kooperativen Verhaltens machte dagegen Darwin und seinen Nachfolgern die größten Schwierigkeiten. Kooperation im Tierreich wurde zum Ausgangspunkt alternativer Evolutionstheorien und Gesellschaftsmodelle. Die historische Untersuchung der Hintergründe dieser Entwicklungen sowie deren Bedeutung in historischen Diskursen soll helfen, aktuelle Debatten kritisch einzuschätzen.

Förderung interdisziplinärer Denk- und Forschungsansätze. Persönliche Orientierung und kritische Reflexion zu aktuellen Diskursen. Grundkenntnisse der Entstehungsgeschichte der Verhaltensforschung.

 keine besonderen Vorkenntnisse erforderlich

- Eibl-Eibesfeldt, Irenäus: Krieg und Frieden aus der Sicht der Verhaltensforschung. München 1984.
- Markl, Hubert.: „Evolutionsbiologie des Aggressionsverhaltens“ in: Reinhard Hilke und Wilhelm Kempf (Hg.): Aggression: Naturwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Perspektiven der Aggressionsforschung. Bern etc. 1982.
- Richards, Robert J: Darwin and the Emergence of Evolutionary Theories of Mind and Behavior. Chicago & London.1987
- Stamm, Roger Alfred (Hrsg.)  Tierpsychologie : die biologische Erforschung tierischen u. menschl. Verhaltens, Kindler, Zürich, 1984
- Wilson, Edward O. On Human Nature. Cambridge, MA, 1978. Darin v.a. „Aggression.“ (Kapitel 5, S. 99-120)



11.959    Seminar zur Geschichte der Neurobiologie.
Grenzgänge zwischen Natur und Kultur
Verlegt auf
Mi 17.30-19.00
Geomatikum
Raum 344

Inhalt:

















Ziel: 



Vorkenntnisse:
 

Literatur:
„Neuroworlds“ - In der aktuellen Diskussion werden von der modernen Hirnforschung und Neurobiologie revolutionäre Veränderungen unseres Menschenbildes erwartet, die mit der kopernikanischen Wende und der Darwinschen Evolutionstheorie verglichen werden. Es gehe um eine neue „Begründung unserer Selbstwahrnehmung als freie, geistige Wesen“ (Wolf Singer). Die Neurobiologie könne jetzt die Grenzen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften durchlässig machen und in angestammte Territorien der Geisteswissenschaften eindringen – um endlich unsere philosophischen, ethischen und moralischen Probleme bewältigen zu können. In populären Darstellungen dienen Gehirnscans schon der Lösung dieser „natürlichen Schwächen“.
Ein Blick in die Geschichte der Neurobiologie zeigt, dass all dies nichts Neues ist. Vergleichbare Erwartungen, Hoffnungen und Techniken begleiten die Neurowissenschaften seit ihrer Entstehung. I
im Seminar sollen an Beispielen historische Bedingungen und Kontexte der „Grenzüberschreitungen“ der Nerven- und Gehirnwissenschaft nachvollzogen werden. Die historische Analyse soll helfen, die Mechanismen und die Dimensionen des neurowissenschaftlichen Diskurses zu verstehen und seine aktuellen Ausprägungen besser einzuordnen.

 Förderung interdisziplinärer Denk- und Forschungsansätze. Persönliche Orientierung und kritische Reflexion zu aktuellen Diskursen. Grundkenntnisse der Neurobiologie und deren Entstehungsgeschichte.

   keine besonderen Vorkenntnisse

- Breidbach, Olaf: Die Materialisierung des Ichs : zur Geschichte der Hirnforschung im 19. und 20. Jahrhundert. Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1997
Florey E, Breidbach O.(Hrsg.): Das Gehirn - Organ der Seele? Berlin 1993.
- Jacobson, Marcus: Foundations of neuroscience . New York u.a : Plenum Press, 1995
- Harrington, Anne (Ed.): So Human a Brain: Knowledge and Values in the Neurosciences. Basel, Boston, Berlin(1992):
- Smith, Roger: Inhibition: History and Meaning in the Sciences of Mind and Brain. Berkeley 1992.