Gitter waren schon lange, bevor ein Zusammenhang mit den Codes bemerkt wurde,
ein Gegenstand mathematischer Forschung mit mannigfachen Anwendungen, etwa
in der Kristallographie. Es gibt dafür verschiedene Definitionen. Für
unseren Zweck heißt eine Teilmenge
von
ein Gitter in
genau dann, wenn es eine Basis
des
gibt mit
d.h. einfach, daß
aus allen ganzzahligen Linearkombinationen der Vektoren
besteht. Das von den üblichen Einheitsvektoren
aufgespannte Gitter
heißt das ``Standardgitter''. In dem Beispiel am Anfang des Abschnittes
4 ist
Gitter lassen sich nun noch auf mannigfache Weise spezifizieren und die so
spezifizierten Gitter dann klassifizieren. So wird
zugeordnet die Matrix
, gebildet aus den Skalarprodukten
der Basisvektoren
.
Ein Gitter heißt ganz, falls für alle
die Skalarprodukte
sind, d. h. auch, falls A eine Matrix aus ganzen Zahlen ist.
Ein ganzes Gitter
heißt gerade, falls für alle
gilt
, d. h. falls in A alle Diagonalelemente gerade sind.
Das Standardgitter
hat als Matrix
die Einheitsmatrix
, ist also ganz, aber nicht gerade.
Die Reduktion
gibt einen Gruppenhomomorphismus
Falls C ein [n,k,d]-Code ist, also ein Unterraum
, gilt
. C ist damit eine Untergruppe in
vom Index
und das Urbild
von C in
wird auch als Untergruppe vom Index
von
erkannt.
ist eine freie abelsche Gruppe vom Rang n und deshalb ein Gitter
in
.
wird als das dem Code zugeordnete Gitter genommen. Als Beispiel: Zum
erweiterten Hamming-Code
gehört auf diese Weise das Gitter
in
mit der Basis
für
und
f(1) = 1/Sqrt(2) (0,1,1,0,1,0,0,1)
f(2) = 1/Sqrt(2) (0,0,1,1,0,1,0,1)
f(3) = 1/Sqrt(2) (0,0,0,1,1,0,1,1)
f(4) = 1/Sqrt(2) (1,0,0,0,1,1,0,1)
f(5) = 1/Sqrt(2) (0,1,0,0,0,1,1,1)
f(6) = 1/Sqrt(2) (1,0,1,0,0,0,1,1)
f(7) = 1/Sqrt(2) (1,1,0,1,0,0,0,1)
e(8) = 1/Sqrt(2) (-1,-1,0,0,1,0,-1,0)
Obwohl das den Rahmen dieses Textes endgültig sprengt, sei noch
erwähnt, daß zu diesem Gitter ein (Witt-)Coxeter-Dynkin Diagramm
vom Typ
gehört, nämlich
e(1) --- e(2) --- e(3) --- e(4) --- e(5) --- e(6) --- e(7)
l
e(8)
Solche Diagramme spielen im Zusammenhang mit den ``Wurzelgittern'' eine zentrale Rolle bei der Frage der Klassifikation einfacher Lie-Algebren und ``klassischer Gruppen''. Umgekehrt kann von Gittern gewissen Typs auf mögliche Codes geschlossen werden und diese werden dann damit klassifiziert. Als Beispiel ([Eb],S. 103) kommt u.a. heraus: Es gibt mehr als 17.000 inäquivalente selbstduale binäre Codes der Länge 40.